Baureihe 10 – Dampflokstar der DB in den 1950er und 1960er Jahren

Mitte der 1950er Jahre wollte die DB eine Lokomotivgattung schaffen, die die Baureihen 01.10 und 03.10 ablösen sollte. Man legte die Achsfolge auf 2’C1’ fest mit einer max. Achslast von 22 t. Im Jahre 1956 lieferte die Friedrich Krupp, Essen zwei Probelokomotiven; die 10 001 war ausgelegt für Rostfeuerung mi10 002 196601a Gießen Bock_400t Ölzusatzförderung und die 10 002 für Ölhauptfeuerung. Der rasch fortschreitende Traktionswandel sorgte dafür, dass es bei diesen beiden Versuchslokomotiven blieb, die den Stand der Technik bei DB-Dampflokomotiven repräsentierten.

Die BR 10 wich schon äußerlich deutlich vom Erscheinungsbild der Einheitslokomotiven ab. Die Zylindergruppe bekam eine Teilverkleidung, die den Luftwiderstand senken sollte und gleichzeitig vor Abkühlung und Verschmutzung schützte. Eine kurze Umlaufschürze verhinderte die Verschmutzung der Führerhausfenster durch Ölspritzer und erlaubte dennoch den Zugang zum Triebwerk. Die kegelige Rauchkammertür, dazu die angeschnittenen Windleitbleche, die relativ glatte Außenhaut und der lang gestreckte und ebenfalls glatte Tender verliehen der BR 10 ein elegantes und zugleich imposantes Aussehen; immerhin hatte die Lok eine Länge von 26,5 m.

10 002 196601b Gießen Bock_400Die Baureihe 10 besaß einen vollständig geschweißten Kessel (wie bei 01.10), der für 18 bar ausgelegt war. Das Drillingstriebwerk arbeitete mit dem Innenzylinder auf die erste, mit den Außenzylindern auf die zweite Kuppelachse. Jede Dampfmaschine hatte eine eigene Heusinger-Steuerung mit Schwinge und Voreilhebel. Die Außenzylinder wurden von der zweiten Kuppelachse gesteuert, der Innenzylinder von der dritten Kuppelachse. Zur Erleichterung der Umsteuerung besaß die Maschine einen pneumatischen Hilfsantrieb. Alle Achslager und die Stangenlager der Steuerung waren mit Wälzlagern ausgerüstet; lediglich das innere Stangenlager der 10 001 war ein Gleitlager. Auch die Treib- und Kuppelstangen waren mit Wälzlagern ausgestattet.

Der Abdampf aller drei Zylinder wurde, um einen guten Saugzug zu erreichen, in einem gemeinsamen Kanal gesammelt, in einem Hosenrohr verzweigt und durch zwei Blasrohre ausgestoßen. Die zwei Schornsteine waren als Doppelschornstein in einem Stück ausgeformt. Zur Entlastung des Personals waren die Sandkästen unter dem Umlauf angebracht; der Wassereinlaufdeckel des Tenders hatte eine Druckluftbetätigung. So gab es seltener Anlass, Kessel und Tender zu ersteigen. Der Tender vom Typ 2’2’ T40 war vollständig geschweißt und selbst tragend ohne Rahmen. Gegen das Führerhaus war er mit einem Gummiwulst abgedichtet. Die10 001 und 01 1100 196606 Marburg Bock_400 Ölzusatzfeuerung der 10 001 hatte nicht die Aufgabe, die Leistung der Maschine zu erhöhen, sondern sollte lediglich bei Höchstbeanspruchung ein ausreichendes Dampfangebot garantieren. Die 10 001 wurde 1959 auf Ölhauptfeuerung umgebaut. Die Einsatzmöglichkeiten der BR 10 waren eingeschränkt durch die hohe Achslast von 22 t und die 140 km/h Höchstgeschwindigkeit, da nicht alle Hauptstrecken der DB diese Bedingungen erfüllten. Selbst der Tender hatte eine Achslast von 21 t. Die 10 wurde zunächst dem Bw Bebra zugeteilt. Mit fortschreitender Elektrifizierung gab Bebra seinen Dampflokbestand ab und die beiden 10er kamen nach Kassel. Sie befuhren hier die Strecken nach Gießen via Marburg sowie nach Münster über Paderborn. Nach häufigen Triebwerksschäden schieden die beiden Loks 1967 aus. 10 001 steht heute im DDM in Neuenmarkt-Wirsberg (Franken), 10 002 diente als Heizlok im Bw Ludwigshafen und wurde danach verschrottet.

Kessel:

  • vollständig geschweißter Hochleistungskessel nach dem Muster für die BR 01.10
  • vollständig geschweißte Feuerbüchse mit Verbrennungskammer
  • Heißdampf-Mehrfachventilregler
  • Mischvorwärmer mit Warmwasserspeicher

Rahmen:10 001 196609a Gießen Bock_400

  • vollständig geschweißter Blechrahmen (25 mm stark), mit Dreizylinder-Stahlgussblock, Umlauf-, Steuerungs-, Kessel- und Pumpenträgern zu einer Einheit verschweißt

Laufwerk:

  • Drehgestell mit 1000 mm Laufraddurchmesser und 2250 mm Achsstand (größer als 01.10/03.10)
  • 3 Kuppelachsen fest im Rahmen gelagert, mittlere Achse mit 15 mm Spurkranzschwächung
  • Schleppachse mit 1000 mm Laufraddurchmesser
  • 22 t Achslast (schwerste für deutsche Bahnen gebaute Dampflokomotive)

Triebwerk:

  • alle drei Zylinder in einem Stahlgussstück vereinigt
  • Zweiachsantrieb; Innenzylinder auf 1., beide Außenzylinder auf 2te Kuppelachse
  • alle Achslager und die Stangenlager der Steuerung mit Wälzlagern

Steuerung:

  • Heusinger-Steuerung mit Inneneinströmung
  • Außensteuerung wird von mittlerer Treibachse abgenommen, Innensteuerung wird von der 3ten Kuppelachse (links) außen abgenommen
  • Steuerbetätigung im Führerhaus mit pneumatischer Hilfseinrichtung

Bremse:

  • Druckluft-Schnellbremse Bauart Knorr mit Zusatzbremse
  • zweistufige Luftpumpe
  • Kuppelräder werden doppelseitig durch Scherenklotzbremse, Lufträder einseitig von innen gebremst
  • Wurfhebelbremse für Tender

Sondereinrichtungen:10 001 196609b Gießen Bock_400

  • Stromlinienverkleidung der Frontpartie einschließlich der Zylinder
  • Schürzen am Umlaufblech
  • Ölzusatzfeuerung für 10 001 (umbaufähig auf Ölhauptfeuerung)
  • Ölhauptfeuerung für 10 002
  • Druckluftsandstreuer mit unter dem Umlauf liegenden Sandkästen
  • Hochdruckschmierung durch Bosch-Pumpe für alle unter Dampf stehenden Teile
  • Handbetriebene Zentralschmierung für schwer zugängliche Schmierstellen
  • De-Limon-Schmierpresse für Spurkranzschmierung
  • Schreibender Geschwindigkeitsmesser Bauart Deuta
  • Indusi der Dreifrequenzbauart

Tender:

  • 2’2’ T40 mit 9 t Kohle und 4,5 m³ Öl (10 001) und 12,5 m³ Öl (10 002)
  • Selbst tragend ohne Rahmen
  • Rollenachslager
  • Tender mit Kohlenachsschubeinrichtung durch Dampfmotorantrieb (10 001)
  • Abdeckklappen für Kohletender

 

Zugleistungen:

  • 375 t Zug mit 130 km/h bei 0 0/00 Steigung
  • 500 t Zug mit 120 km/h bei 0 0/00 Steigung
  • 60 t Zug mit 130 km/h bei 10 0/00 Steigung
  • 300 t Zug mit 80 km/h bei 10 0/00 Steigung
  • 495 t Zug mit 60 km/h bei 10 0/00 Steigung
  • 620 t Zug mit 40 km/h bei 10 0/00 Steigung

 

Datenblatt - Data Sheet

Baureihenbezeichnung

10 DB

Betriebsgattung

S36.22

Radsatzanordnung

2’C1’h3

Betriebsnummern ... von ... bis

10 001, 10 002

Gesamtmasse mit Tender (mit allen Vorräten)

201,2 t/

Metermasse Lok mit Tender

7,59 t/m

Lokdienstmasse (ohne Tender; 2/3 der Vorräte)

118,9 t

Lokleermasse

108,9 t

Reibungsmasse

65,6 t

Mittlere Kuppelachslast

21,9 t

Leistung

2500 PSi

Zugkraft

17,9 Mp

Zylinder-Durchmesser

3x 480 mm

Kesseldruck

18 bar

Verdampfungsheizfläche

216,4 m²

Vmax

140/90 km/h

Treibraddurchmesser

2000 mm

Laufraddurchmesser vorn

1000 mm

Laufraddurchmesser hinten

1000 mm

Länge

26503 mm

Indienststellung

1957

Stückzahl

2

Tender

2’2’ T40

Kohle/Öl

9 t und 4,5 m³ (12,5 m³)

Wasser

40 m³

Hersteller

Krupp

 

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